PASSGENAUE ANGEBOTE: MUSLIM 3.0

Gläubigen jungen muslimischen Männern werden meist keine jugendgerechten Freizeitangebote gemacht. Das Elternhaus hat häufig keine Zeit oder kein Bewusstsein, seine Söhne zu fördern und zu fordern. Die Moscheegemeinden in Deutschland sind oft überlastet und in diesem Falle auch nicht qualifiziert genug, um Jugendarbeit anzubieten. Infolgedessen verbringen diese jungen Männer ihre Freizeit auf der Straße und laufen Gefahr, in den Extremismus abzudriften und/oder straffällig zu werden. Ihr Leben spielt sich hauptsächlich zwischen muslimischen Traditionen im Elternhaus und dem Leben "draußen" ab, das westlich geprägt und freizügig ist.

Toleranz nach innen und außen

Deshalb entwickelte die multilateral academy ggmbh aus Dortmund in Kooperation mit dem Liberal Islamischen Bund e.V. und gefördert durch das Bundesprogramm "Initiative Demokratie stärken" das Projekt "Muslim 3.0". Zielsetzung des Projektes ist die Realisierung eines didaktisch-methodischen Konzeptes zur Förderung der strukturierten Identitätsbildung junger (männlicher) Muslime - ein Konzept, das einem mit dem 21. Jahrhundert und der Demokratie kompatiblen Islam vermittelt und so das Dilemma einer scheinbaren und von islamischen Extremisten forcierten Entweder-oder-Entscheidung aufhebt. Die Identität des "Muslim 3.0" ist deutsch und muslimisch tolerant.

Es ist eine Bildungsidee, die nicht aktueller sein kann, da sie sowohl in Zeiten der zunehmenden Globalisierung als auch der wachsenden Islamfeindlichkeit junge, muslimische Männer dazu befähigt, mehr Toleranz nach innen (innerreligiös) und nach außen (interreligiös) zu üben.


Auf Identitätssuche


Jugendliche im Alter zwischen 16 und 25 Jahren, die mehr über sich und ihre Stärken erfahren möchten, die nach Möglichkeiten suchen, ihren Glauben in dieser Gesellschaft zu leben, arbeiten im Rahmen des Projektes in Gesprächskreisen und Kreativworkshops (Musik, Tanz und Schauspiel) an neuen Zugängen zum Islam. Dabei werden sie von Profis unterstützt. Die Ergebnisse des Projektes präsentieren die Jugendlichen in einer multimedialen Live-Performance. Kleine und große Geschichten, die auf der Bühne lebendig werden, gewähren einen Eindruck in das Leben junger Muslime in Deutschland - und in ihre Versuche und Schwierigkeiten, eine eigene Identität zu entwickeln.


Veränderungen


"Für mich war die krasseste Erfahrung zu sehen, wie die Leute am Anfang waren und wie sie sich am Ende des Projekts verhalten haben." Der 21-Jährige Mehdi Ramadan war einer von gut 80 männlichen muslimischen Jugendlichen im Alter von 16 bis 25 Jahren, die an dem einjährigen Pilotprojekt in Hagen teilgenommen haben. Sie alle hat das Projekt verändert. Mehdi spricht beispielsweise von Ferdi, der zunächst still an den Gesprächskreisen teilnahm und dann nach und nach die beteiligten Islamwissenschaftlerinnen mit Fragen nach der Schöpfung und der Rolle von Frau und Mann löcherte. Fragen, die er sich zuvor niemals zu stellen getraut hätte. Und er denkt auch an Sezer, der in dem Projekt seine Begeisterung für das Theaterspiel entdeckte. Sein umjubelter Schauspielauftritt als Frau bei einer der Abschlussveranstaltungen wäre zu Beginn kaum denkbar gewesen. 2012 wurden komprimierte Versionen des Modellprojektes in Hamburg, München und Heilbronn realisiert. Verschiedene Bundesländer interessieren sich mittlerweile für eine Übernahme des Projektes. Muslim 3.0 wurde mit dem zweiten Preis des Jugendkulturpreises NRW 2012 ausgezeichnet.


Kontakt: multilaterale academy ggmbh, Geschäftsstelle Weißenburger Str. 23, 44135 Dortmund, Tel. 0231395471-0, info@mla-net.org, www.muslim-3-0.de